Das Geoportal integriert die Zeit

19.04.2017

Das Geoportal der GEOINFO integriert die Zeit, was den Umgang mit räumlichen Daten und deren Historisierung revolutioniert und die Lösung weltweit einzigartig macht.

Der Gesetzgeber sieht die Integration der Zeit im Grundsatz schon länger vor. So hält der Bundesrat in seiner Geoinformationsverordnung GeoIV Art. 13 vom Mai 2008 Folgendes fest: «Geobasisdaten sind so zu historisieren, dass jeder Rechtszustand mit hinreichender Sicherheit und vertretbarem Aufwand innert nützlicher Frist rekonstruierbar ist, sofern sie eigentümer- oder behördenverbindliche Beschlüsse abbilden.»

Theorie und Praxis

Die zuständigen Stellen sind also in der Pflicht, innert nützlicher Frist auch rückwirkend den Rechtszustand belegen zu können. Soweit die Theorie, wie läuft es in der Praxis? Wie gross darf der vertretbare Aufwand sein und wie lässt sich die nützliche Frist auf Sekunden reduzieren?

Bestenfalls werden derzeit Geobasisdaten durch periodische, oftmals händische Archivierungen gesichert. Damit kann aber nicht jeder beliebige Zeitstand rekonstruieren. Zudem wird der Aufwand unverhältnismässig hoch, wenn zu einem bestimmten rechtlichen Sachverhalt alle zugrunde liegenden Geodaten zu rekonstruieren sind.

Einen Grundstein bei der Verfügbarmachung von historischen Datenbeständen hat bereits die swisstopo mit der Integration historischer Kartenbestände in ihren aktuellen Online-Kartenviewern gelegt. Technisch handelt es sich dabei um Rasterdaten: Zusätzliche Attribute bleiben verborgen bzw. sind gar nicht vorhanden. Zurzeit visualisieren die zur Verfügung stehenden Geoportale der Kantone und Gemeinden aktuelle raumbezogene Informationen aus diversen Quellen. Dabei werden laufend bestehende Datensätze durch neue ersetzt. Dies erfolgt nur teilweise automatisiert und in je nach Thema unterschiedlichen Intervallen: Das gilt für die amtliche Vermessung ebenso wie für Zonenpläne, Geotopinventare oder Massnahmenpläne bei Naturgefahren. Für alle Themen gilt: In Geoportalen sind alte Datenbestände nicht mehr verfügbar.

Türen zur Vergangenheit öffnen

In den Geoportalen und Gemeinde GIS der GEOINFO können künftig alle zurückliegenden Zeitstände einfach und in Sekundenschnelle abgerufen und mit dem aktuellen Zustand verglichen werden. Die historisierten Datenbestände werden vorerst kommunalen und kantonalen Verwaltungen zur Verfügung gestellt. Dies ist ein absolutes Novum und derzeit weltweit einzigartig.

Die Integration der Zeit ist eine Herausforderung

Aktuell werden ca. 600 Datenbestände von ca. 140 zuständigen Stellen auf 560 Karten visualisiert und bei der Integration automatisch historisiert. Dabei können sich der Nachführungsrhythmus sowie die erstmalige Integration der räumlichen Informationen pro Karte und für bestimmte Regionen unterscheiden. In einem kantonsübergreifenden Verbundsystem müssen zudem verschiedene Daten- und Darstellungsmodelle zum gleichen Thema integriert werden können. Diese komplexe Heterogenität bildet die Geodateninfrastruktur der GEOINFO ab. Geometrien, Attribute und vieles mehr In der Geodateninfrastruktur der GEOINFO werden neben den Rasterdaten auch alle Vektordaten inkl. deren Attribute historisiert. Darunter fallen auch rein alphanumerische Daten wie beispielsweise Eigentümerinformationen.

Voraussetzung zur umfassenden Abbildung der Zeit sind neben der Historisierung der räumlichen Informationen im engeren Sinne (Geometrien und Attribute) auch jene der entsprechenden Modelle und Metainformationen. Möglich wird damit:

  • Die Visualisierung und Analyse eines oder mehrerer bestimmter Zeitpunkte
  • Die Differenzbildung zweier Datenintegrationen zum Zweck der Datenprüfung
    Beim Vergleich zweier Zeitpunkte werden die Differenzen geometrischer und attributiver Änderungen sichtbar gemacht.


Bei Datenaktualisierungen wird die Differenz pro Objekt bezüglich Geometrien und Attributen im Vergleich zum bereits integrieren Objekt festgehalten. Da die meisten Objekte von einer Datenlieferung zur nächsten gleichbleiben, sind nur veränderte Daten nachzuführen. Kommt es in einem Thema zu einem Wechsel des Datenmodells, ist dieser Zeitpunkt ebenfalls in den Metadaten vermerkt.

Nutzen für die Verwaltung

Dank der einfachen Verfügbarmachung der historischen Datenbestände stehen Verwaltungen wichtige Entscheidungsgrundlagen für ihre tägliche Arbeit zur Verfügung. Beispielsweise erhält die Bewilligungsbehörde einer Gemeinde ein Baugesuch und genehmigt dieses nach eingehender Prüfung. Dabei nutzt die Behörde diverse amtliche Geoinformationen wie amtliche Vermessung, Zonenplan, Werkleitungen etc. Innerhalb der Rekursfrist kommt es eventuell zur Einsprache. Gegebenenfalls müssen auch im Falle eines Rechtsstreits weit zurückliegende Entscheidungen hinterfragt oder begründet werden. Die Bewilligungsbehörde ist nun darauf angewiesen, dass für alle der damaligen Entscheidung zugrunde liegenden Geodaten der betreffende Zeitstand verfügbar und vor allem vergleichbar ist.

Die neue Geoportal-Generation der GEOINFO mit der integrierten Visualisierung eines bestimmten Zeitpunkts und dem Vergleich zweier Zeitpunkte übersetzt die rechtliche Theorie anwenderfreundlich in die Praxis. Der Pflicht zur Historisierung ist damit auf einfache Art und Weise Genüge getan. Amtliche Geodaten sind so in allen Aktualisierungsständen nachhaltig und in Echtzeit verfügbar.

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